Bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) erhält der Körper zu wenig Schilddrüsenhormone. Die Schilddrüse ist aufgrund von Zerstörung oder Verlust an Gewebe nicht mehr in der Lage, den Bedarf an Schilddrusenhormonen zu decken, bzw. die Wirkung der Schilddrüsenhormone im Organismus kann unzureichend sein.
Die Hypothyreose ist neben dem Diabetes mellitus, also der Zuckerkrankheit, die häufigste endokrine Erkrankung und tritt bei ca. 10%* der Bevölkerung auf. Besonders bei älteren Patienten durfte die Dunkelziffer aufgrund der gering ausgeprägten Symptomatik hoch sein. Frauen sind häufiger von einer Hypothyreose betroffen als Männer.
Man unterscheidet bei der Schilddrüsenunterfunktion zwischen einer primären, einer sekundären und einer tertiären Hypothyreose. Bei der primären Hypothyreose ist die Funktion der Schilddrüse selbst betroffen, während bei der seltenen sekundären Hypothyreose die Hypophyse in ihrer Funktion eingeschränkt ist. Der nur sehr selten anzutreffenden tertiären Hypothyreose liegt eine Störung der Hypothalamusfunktion zugrunde. Die so genannte periphere Hypothyreose, also eine mangelnde Wirkung der Hormone im Körper, ist eine Seltenheit.
Die häufigste Ursache einer Hypothyreose ist eine Autoimmunthyreoiditis,
wie zum Beispiel die Hashimoto-Thyreoiditic.
*Quelle: Schilddrusenliga Deutschland eV.
Die Hashimoto-Thyreoiditis zählt, wie auch der Morbus Basedow, zu den so genannten Autoimmunerkrankungen der Schilddruse. Sie ist eine entzündliche Veränderung des Organs, die zu einem Funktionsverlust von Schilddrusengewebe führt Dies bedingt eine ungenügende Produktion und Freisetzung von Schilddrusenhormonen, also eine Hypothyreose.
Eine primäre Hypothyreose kann bereits angeboren sein. Von 2.500 bis 3.500 Neugeborenen hat 1 Kind eine angeborene Hypothyreose. Bei betroffenen Patienten besitzt der Körper entweder Überhaupt keine Schilddrüse oder eine zu kleine Schilddruse, oder die Schilddruse kann aufgenommenes Iod nicht richtig verwerten.
Wesentlich häufiger kommt es jedoch vor, dass sich eine primäre Hypothyreose im Laufe des Lebens entwickelt, beispielsweise aufgrund einer Entzündung, nach einer Schilddrüsenoperation oder -bestrahlung, einer Radioiodtherapie der durch die Gabe bestimmter Medikamente.
Erkrankungen der Hypophyse oder des Hypothalamus fuhren zu einer sekundären bzw. tertiären Hypothyreose. Die Schilddrüse selbst ist in diesem Fall völlig intakt, während Produktion und Ausschüttung der Hormone TSH oder TRH, z, B. aufgrund von Tumorerkrankungen, gestört sind.
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind meist nicht klar erkennbar und unterscheiden sich bei Neugeborenen, Kindern und Erwachsenen.
Warnzeichen bei Neugeborenen sind z. B. ein verspäteter Geburtstermin, ein hohes Geburtsgewicht, Trinkunlust, Verstopfung oder ein langsamer Puls. Die Neugeborenen und Kinder haben keine Lust sich zu bewegen. Sie haben meistens eine trockene Haut und eine schlaffe Muskulatur. Infolge der Hypothyreose sind sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung verzögert. Um e3l. Fehlfunktionen der Schilddruse so früh wie möglich zu erkennen, müssen alle Neugeborenen bereits am 5. Lebenstag mittels Blutuntersuchung auf das Vorliegen einer Hypothyreose untersucht werden.
Bei Erwachsenen verläuft die Entwicklung einer Hypothyreose meist schleichend und unauffällig. Erst bei stärkerer Unterfunktion nimmt der Patient deutliche Beschwerden wahr. Betroffene klagen über Müdigkeit, Antriebsarmut, ein gesteigertes Schlafbedürfnis und Gedächtnisstörungen. Sie frieren häufig und leiden an Verstopfung. Die Haut ist trocken, kühl und blass. Der Puls ist langsam und die Muskelreflexe sind geschwächt.
Wichtig ist, dass gerade bei älteren Patienten nicht alle Symptome gleichzeitig vorhanden sind. Leichte Formen der Schilddrüsenunterfunktion werden daher häufig übersehen.
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit Schilddrüsenhormon-Tabletten behandelt werden, die die fehlenden körpereigenen Schilddrüsenhormone ersetzen. Man verwendet im Allgemeinen synthetisch hergestelltes L-Thyroxin (auch Levothyroxin genannt; es entspricht dem körpereigenen T4) in einer Tagesdosis zwischen 100 und 200 µg Die Dosierung ist individuell verschieden und wird vom Arzt anhand des TSH-Wertes festgelegt und regelmäßig überprüft. Ist die individuell richtige Hormonmenge einmal gefunden, hat die Therapie mit Schilddrüsenhormonen keine Nebenwirkungen, da ja nur das fehlende körpereigene Hormon ersetzt wird. Eine Zufuhr zu großer Hormonmengen dagegen führt zu den typischen Symptomen einer Hyperthyreose.